Als Horrorfilm-Fan geh ich pflichtschuldig in so gut wie jeden Gruselstreifen, der in meinem Kino des Vertrauens läuft. Man kann ja schließlich nie wissen, hinter welchem unscheinbaren Trailer vielleicht das nächste Conjuring steckt.
Ein Film, der so gut und frisch ist, dass er zahlreiche Nachahmer hervorbringt und damit quasi ein neues Sub-Genre erschafft (oder zumindest wieder aufwärmt). Conjuring hat das geschafft, aber mittlerweile kann ich den immergleichen Dämonenhorror nicht mehr sehen, den dieser Film losgetreten hat.
Geister, die Familien heimsuchen. Möbelstücke, die durch die Luft fliegen, Kinder und Frauen, die kreischen und weinen. Jumpscares mit verzerrten Fratzen. Das alles ödet mich an.
Aber diese Ära ist vorbei. Junge Talente wie Zach Cregger (Weapons, Resident Evil) und Curry Barker (Obsession) haben eine neue Ära eingeläutet. Eine Ära mit Geschichten, die sich nicht zu ernst nehmen, obwohl sie jedes Recht dazu hätten.
Endlich macht es wieder richtig Spaß, ein Horrorfilm-Fan zu sein!
Als Weapons seinen größten Trumpf geheimhielt
Wer Zach Creggers Barbarian nicht mitbekommen hat, wurde spätestens mit Weapons auf den US-amerikanischen Filmemacher aufmerksam. Seine ursprüngliche Berufung als Comedian merkt man seinen Werken sofort an. Im Trailer von Weapons ist davon allerdings noch nichts zu spüren:
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Weapons: Die Macher von Conjuring lassen im neuesten Horrorfilm eine ganze Schulklasse verschwinden
Als ich zu Weapons ins Kino ging, passierte genau das, was ich am Anfang dieses Artikels beschreibe. Der Trailer hat mich nicht so richtig abgeholt, aber schon in den ersten Minuten im Saal merkte ich, dass das hier eine ganz andere Fahrt wird, als ich angenommen hatte.
In den Dialogen steckt so viel Witz, man vergisst zwischenzeitlich kurz, dass man hier einen Horrorfilm schaut. Dabei driftet Weapons aber nicht in eine alberne Komödie ab, sondern fängt sich in Gruselmomenten und cleverer Kameraarbeit immer wieder selbst auf. Insbesondere eine Szene, in der die Figur Justine (Julia Garner) nachts in ihrem Auto eingeschlafen ist, blieb mir dabei besonders im Gedächtnis.
Die Krönung ist allerdings der wichtigste Charakter des Films, den man im Trailer nicht eine Sekunde zu Gesicht bekommt. Und ich möchte euch diese Überraschung ebenso wenig vorwegnehmen, falls ihr Weapons noch nicht gesehen habt.
Die 76-jährige Amy Madigan hat für ihre Performance sogar den Oscar als beste Nebendarstellerin bekommen. Dass eine Horror-Darstellerin diese begehrte Auszeichnung ergattert, kommt so gut wie nie vor. Zuletzt freute sich Natalie Portman 2011 für ihre Rolle in Black Swan über den Academy-Award – das ist 15 Jahre her.
Als in Obsession Witz und Ernst zur explosiven Mischung wurden
Genau wie auch bei Weapons, lief es für mich mit Obsession ab. Der Trailer offenbarte lediglich die Prämisse: Ein Typ ist verknallt und wünscht sich, dass die Angebetete ihn abgöttisch liebt. Sein Wunsch geht in Erfüllung, allerdings ein wenig zu gut, denn seine Traumfrau wird zum besessenen Stalker-Girlfriend, das immer weiter eskaliert.
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Obsession - offizieller Trailer zum Hit-Horrorfilm von Blumhouse
Wer Regisseur Curry Barker vorher bereits kannte, dem war vielleicht längst klar, dass es nicht bei dieser platten Geschichte bleibt. Denn der US-Amerikaner verdingte sich bereits vor seiner Filmkarriere als Comedy-Youtuber, der sich unter anderem mit Kurzfilmen eine treue Fan-Gemeinde erarbeitete.
Und auch mit Obsession traf er einen Nerv. Der Film nimmt sich Themen vor, die in der aktuellen Generation junger Erwachsener relevanter denn je sind: toxische Beziehungen, Einsamkeit, Selbstbestimmung. Und damit einen diese bierernsten und realitätsnahen Themen nicht völlig überfordern, mildern die beiden Hauptdarsteller Michael Johnston (Bear) und Inde Navarrette (Nikki) sie mit überzeugendem Schauspiel und perfektem Comedy-Timing ab.
Da habe ich doch tatsächlich sogar über eine zum Sandwich verarbeitete Katze geschmunzelt, obwohl das eigentlich überhaupt nicht witzig ist. Es ist skurril. Bears Reaktion darauf ist skurril. Und da grinst man aus Verlegenheit.
Obsession erspart mir denselben formelhaften Schrecken, an dem sich Insidious schon im gefühlt 28. Aufguss verhoben hat. Es weckt in mir eine bunte Mischung aus Gefühlen, die mich überraschen, mich zum Nachdenken bringen und mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Und ich bin auch nicht die Einzige, die diesen erfrischenden Ansatz abfeiert.
Bei einem mickrigen Budget von 750.000 US-Dollar nahm Obsession dieses Jahr weltweit 523 Millionen US-Dollar ein. Damit ist er der fünfterfolgreichste Horrorfilm aller Zeiten.
Als Resident Evil das aussprach, was alle dachten
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Resident Evil ist die beste Spiele-Verfilmung aller Zeiten
Und damit kommen wir auch schon zum jüngsten Horrorhit in meiner neuen Lieblingsliste. Cregger hat dieses Jahr nach dem Erfolg von Weapons direkt mit einem weiteren Projekt nachgelegt. Sein Resident-Evil-Film wurde ganz anders als die anderen und ich bin heilfroh, dass jemand wie er sich dem Franchise angenommen hat. Jemand, der die Spiele selbst gespielt und verstanden hat, was Menschen wie ich daran lieben.
Austin Abrams spielt hier den Organ-Lieferburschen Bryan, der eigentlich einfach nur seinen Job erledigen und nach Hause will. Doch dann stolpert er in die allseits bekannte Zombieapokalypse. Seine Figur ist dabei so herrlich normal und nahbar, dass man fast glaubt, selbst im Film gefangen zu sein. Er weiß nicht, wie man eine Pistole abfeuert; weigert sich, in dunkle Gassen zu gehen, aus denen gurgelige Geräusche gluckern; und kommentiert die Geschehnisse in einer Tour mit sarkastischen und selbstironischen Bemerkungen – genau wie ich das tue, wenn ich Resident Evil spiele.
Er ist dabei trotzdem kein übertrieben weinerlicher Waschlappen ohne Charakter, der am Ende des Films plötzlich doch etwas draufhat und zum strahlenden Helden wird. Er ist aber auch kein geleckter Held à la Leon S. Kennedy in Requiem und das ist für mich der spannendste Aspekt in diesem Film. Mir reicht es, wenn ich am Controller selbst den coolen Actionhelden mime, der Kettensägen mit dem Messer pariert. Das muss nicht auch noch auf der Leinwand passieren.
Wenn es mit Horrorfilmen in den nächsten Jahren so weitergeht, sind meine Wochenenden jetzt schon durchgeplant. Nach all den Fortsetzungen und Reboots wurde es auch Zeit, dass mal wieder neuer Wind weht. Horror ist so ein tolles und vielschichtiges Genre. Ich hoffe, dass die neue Ära vielleicht den ein oder anderen Zaghaften für diese tolle Welt erwärmen kann.
Habt ihr die Filme gesehen, von denen ich hier spreche? Wie haben sie euch gefallen? Diskutiert gern in den Kommentaren mit mir weiter!
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